Am Samstag war es soweit und wir haben mit unserem 6e die erste Langstrecke mit Ladeplanung absolviert. Ich wollte Euch hier gerne dran teil haben lassen. Ob es eine positive oder negative Erfahrung ist, kann jeder für sich selbst entscheiden. Für mich war da sowohl Licht als auch Schatten. Aber fangen wir von vorne an:
Strecke: Göttingen - Dresden und zurück
Distanz: ca 700 km Gesamt
Akku bei Start: 100 %
Fahrstil: Geschwindigkeitsbegrenzungen einhalten, da wo frei 150.
Ladevorgabe: nur Ionity, weil für die Strecke ein Monatsabo abgeschlossen wurde.
Ladevorgabe am Ladepunkt: ca. 15 % Restakku
Ladevorgabe am Ziel: 50 %, damit für die Rückfahrt noch Saft im Akku steckt.
Warum Ionity? Weil es von der Vorplanung in ABRP geklappt hat und sich das Abo mit der einen Tour für den Monat bereits rechnen sollte. Also im Mazda am Morgen die Vorgabe der Ionity-Säulen gemacht.
Das Mazda-Navi sagte mir dann eine Ein-Stopp-Strategie an und einen Akkustand bei Ankunft in Dresden von 12 %. Der Restakku am Ladepunkt lag auch nur bei 8 %.
War jetzt nicht unbedingt das, was ich mir nach der Vorplanung mit ABRP erhofft hatte, aber schauen wir mal. Schwiegereltern eingepackt und gestartet,
Nach den ersten 50 km kam dann die Meldung: Ziel nicht erreichbar. Soweit ja gar nicht schlimm. Also liebes Navi: Suche mir alternative Ladepunkte. Und dann die Ernüchterung: Er findet keine Alternativen. Das Ziel bleibt unerreichbar.
Was wird hier passiert sein? Anpassung des Durchschnittsverbrauchs, zu enger Suchradius entlang der Strecke, zu unflexibel für alternative Gesamtstrecken (auf denen weitere Ionity-Punkte gewesen wären) und vermutlich keine ausreichende Weitsicht (denn kurz vor Dresden ist ein Ladepunkt von Ionity und damit die Vorgabe der 50 % am Ziel easy peasy machbar).
Nach dieser Enttäuschung also kurzerhand den ersten Ladepunkt aus ABRP ins Navi eingegeben (Autohof Nempitz auf der A9 bei Leipzig) und diesen wie mit ABRP geplant, angesteuert. Das lief dann auch sehr gut und wir kamen tatsächlich mit 10 % mehr Restakku dort an, als ABRP prognostizierte. Geparkt, angehängt und gespannt auf die Säule gestarrt, wo die Ladegeschwindigkeit hingeht. Und siehe da, innerhalb einer Minute über 150 kW. Schwiegereltern und Frauchen sind kurz austreten und Kaffee ziehen gewesen, ich hab gemütlich eine geraucht. Kurz den Kofferraum aufgemacht und was zu Futtern aus dem "Reise-Picknick-Korb" geschnappt. Und schon waren die benötigten 35 kWh innerhalb von 18 Minuten geladen.
Während Schwiegereltern und meine Frau noch den Kofferraum einpackten, startete ich eine neue Navigation. Ziel: Dresden mit 50 % Rest erreichen. Leider hat das Mazda Navi erneut mitgeteilt: Ziel unerreichbar. Also wieder der Griff zum ABRP und die die nächste Ladesäule manuell ins Mazda Navi eingegeben. Abfahrt.
Zweiter Stopp erfolgte auf der Raststätte Dresdner Tor Süd. Geparkt, Ladesäule angehängt, ... , ihr kennt es von oben. Auch hier war wieder innerhalb von 1 Minute die Ladegeschwindigkeit über 150 kW. Kurzer Hand vor Ort dazu entschieden, bis 80 % aufzuladen. Um so länger können wir dann später auf dem Rückweg ohne Zwischenstopp fahren. Es wurden 21 Minuten für 42,7 kWh. Auch diese 21 Minuten, haben wir nicht auf das Auto gewartet, sondern das Auto musste am Ende noch auf uns warten.
Ankunft Dresden. Einen feinen Tag bzw. vier Stunden dort verbracht und mit 70 % Restakku dann den Rückweg eingeleitet. ABRP war für die Vorplanung fleißig, aber wir versuchen es nochmal mit dem Mazda Navi. Gesagt getan. Zielvorgabe: mit 15 % Restakku daheim ankommen. Und erneut schlägt das Navi eine Ein-Stopp-Strategie vor. SoC am Ladepunkt 7 % ... Vertraue ich dir jetzt? Auf der Hinfahrt hat es ja nicht so gefunkt zwischen uns... Naja, fahren wir erstmal los.
Innerlich war ich darauf vorbereitet erneut bei Leipzig / Nempitz bereits zu laden. Also kurz vor Leipzig mal wieder aufs große Navi geschaut und siehe da: SoC am Ladepunkt korrigiert auf 16 % (ca. 35 km Puffer zwischen Strecke und Restreichweite). Auch wenn es gekribbelt hat in meine Bauchnabel, bin ich an Nempitz vorbeigefahren und habe dem Mazda Navi vertraut. Und ich wurde nicht enttäuscht! Ganz entspannt mit 21 % Restakku am vorgeschlagenen Ladepunkt in Sangerhausen angekommen.
Auch hier der selbe Ablauf: Parken, Laden, Pipi, ihr kennt es schon
Ladeleistung über 150 kW. Insgesamt 23 Minuten für 45 kWh und wirklich entspannt daheim angekommen.
Wie war nun mein Gesamteindruck?
Fahrverhalten des 6e auf Langstrecke: Mega gemütlich und entspannt. Selbst die 150 km/h fühlten sich an wie 120 km/h. im Fahrzeug alles sau leise, als dass man sich auch ruhig und entspannt unterhalten konnte. Insgesamt sehr komfortabel und ich benutze das Wort noch einmal: entspannt!
Assistenzsysteme: Da, wo ich sie genutzt habe, war ich mit Ihnen zu 95 % zufrieden. Tempomat in Baustellen nicht genutzt. Hier hat mich der Spurhalte-Assi ein, zwei Mal ruppig geärgert. Ansonsten habe ich nur den Tempomat ohne Lenkassistenten genutzt. Das lief grundsätzlich auch fein. Keine Phantom-Bremsungen auf grader Strecke. Lediglich in ein paar Kurven musste ich mit dem Strompedal etwas nachjustieren.
Navigation: Anzeige im Head-Up ist ein Träumchen und möchte ich nicht mehr missen! Sprachansage habe ich nicht genutzt. Ladeplanung bin ich hin und her gerissen. Hinfahrt versagt, Rückfahrt brilliert. Klar, auf dem Rückweg kannte er mein Autobahnprofil wieder besser. Aber durch diese Unflexibilität, die passenden Ladeanbieter nicht großflächiger raus zu suchen ist das schon ein Punkt, an dem ich mir eine umfangreiche Überarbeitung wünsche.
Ionity: Alle Ladesäulen hatte eine ausreichende Infrastruktur in der Nähe. Wir mussten an keinem Ladepunkt warten, es war immer eine Säule frei, trotz doch recht hoher Frequenz. Allerdings war ich mit der Ladeleistung nicht so ganz zufrieden. Es startete zwar immer mit über 150 kW ging aber in der Regel ab 40 % SoC immer weiter runter, bis wir beim abstecken immer nur noch um die 80 kW Ladeleistung hatten. Und nein, wir haben immer nur bis höchstens 80 % geladen.
OBACHT: Ionity nimmt an Raststätten 0,43 € statt 0,39 € mit dem großen Abo. Macht den Kohl nicht fett, hat mich dennoch überrascht, weil ich das nirgends im Vorfeld wahrgenommen hatte.
Ladezeiten: Wir hatten nicht bei einem Ladestopp das Gefühl, auf das Auto warten zu müssen. Bei allen drei Stopps passten die ca. 20 Minuten ziemlich gut um sich entspannt zu erleichtern, eine zu rauchen, eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken und sich mit anderen E-Fahrern zu unterhalten.
Pizzaschnecken von Schwiegermutter: Ein Träumchen
Also ich freue mich nach der Erfahrung auf die nächsten Tages-/Wochenend-/Urlaubstrips mit dem 6e. Ionity geht für mich als Ladeanbieter schonmal gut klar. Das nächste Mal teste ich EnBW mit seinem Abo.