Hallo zusammen,
nach nicht mal vier Wochen und 1650km gehen mein 6e und ich aller Voraussicht nach getrennte Wege. Ich hatte am Donnerstag einen Auffahrunfall, der wohl zu einem wirtschaftlichen Totalschaden am 6e führt. Alle Beteiligten sind zum Glück unverletzt geblieben.
Was ist passiert (meine subjektive Wahrnehmung):
Ich war auf meiner Pendelstrecke auf der Autobahn, es war der übliche Kolonnenverkehr. Tempolimit lag bei 100km/h, der Tempomat war entsprechend eingestellt. Alle möglichen Helferlein waren eingeschaltet. Der Abstandstempomat (ACC) hielt den Abstand zum Vordermann im üblichen Rahmen, alles sah normal aus. Also keine ungewöhnliche Situation, keine besonders enge Situation, eben normaler Berufsverkehr. Ich war auch vollständig aufmerksam, nicht durch Radio oder Navi abgelenkt. Gefahrene Geschwindigkeit lag vermutlich zwischen 80 und 100km/h, das weiß ich nicht mehr.
Plötzlich verzögerte der Vordermann und ging dann in eine Vollbremsung über aufgrund einer Verkehrssituation vor ihm, die ich nicht sehen konnte. Die Bremsung sah anfangs auch normal aus, ACC hat wohl auch moderat mitverzögert. Dann allerdings nicht mehr ausreichend, als die Bremsung des Vordermanns stärker wurde. Bis ich das realisiert und das Fahrzeug mit einer Vollbremsung übernommen habe, war es bereits zu spät und ich bin dem Vordermann aufgefahren.
Dies war nach meiner Meinung exakt die Standardsituation, bei der ACC und der Notbremsassistent einen Unfall hätten verhindern sollen. Genau deswegen hat die EU ACC und Notbremsassistent bei Neufahrzeugen verpflichtend gemacht, um diese klassischen Auffahrunfälle zu verhindern. Und genau das hat in einer Standardsituation nicht geklappt.
Mein Fehler war, den Bruchteil einer Sekunde zu lang auf die Systeme vertraut zu haben, bis ich selbst die Vollbremsung eingeleitet habe. Dazu beigetragen hat, dass die Situation anfangs ganz normal und nicht kritisch aussah (ausreichend Abstand, zunächst keine dramatische Verzögerung des Vordermannes). Wäre ich voll manuell gefahren, wäre es vermutlich nicht zum Unfall gekommen, weil ich den Fuß dann schon auf der Bremse gehabt hätte.
Das spricht aber nicht grundsätzlich gegen diese Systeme. Denn mein Insignia von 2014 als auch mein VW-Bus von 2018 konnten mit solchen Situationen umgehen und haben schon die Vollbremsung eingeleitet, bevor ich selbst überhaupt reagiert hatte (ich erinnere mindestens ein Mal, wodurch dadurch ein Unfall verhindert wurde). Deswegen hatte ich auch ein relativ hohes Vertrauen in die Systeme. In Bezug auf den 6e habe ich dieses jetzt nicht mehr.
Der Aufprall war subjektiv gar nicht so heftig und ich hatte lediglich die letzten zwei Tage so etwas wie Muskelkater im rechten Bein und Po/Hüfte wegen der Vollbremsung beim Aufprall. Der Sachschaden ist allerdings immens:
- Die Front ist komplett zerstört, siehe Bilder.
- Laut Werkstatt scheint auch ein Träger nach hinten verschoben zu sein.
- Fahrer- und Beifahrerairbag haben ausgelöst.
- Sämtliche Gurtstraffer sind angesprungen, die hinteren haben dadurch die beiden Kindersitze kaputt gemacht.
Mazda, ich habe Fragen:
- Wieso konnten die Assistenzsysteme diese Standardsituation 2026 nicht bewältigen? Mir ist bewusst, dass es Assistenzsysteme sind, die Grenzen haben. Aber ein Opel von 2014 konnte das.
- Warum lösen beide Frontairbags aus, wenn nur der Fahrersitz belegt ist? Es befand sich lediglich ein kleiner Rucksack im Fußraum des Beifahrersitzes, die Sitzfläche war komplett frei.
- Warum lösen sämtliche Gurtstraffer bei unbelegten Sitzen aus? Hinten befanden sich lediglich zwei leichtere Kindersitze, die durch die Kraft der Straffung beschädigt wurden.
- Was hätte die Gurtstraffung für ein Kind bedeutet, wenn die vorgesehene Führung weggebrochen wäre und der Gurt dadurch höher am Hals stramm gezogen worden wäre?
Meine Empfehlung an euch wäre, in ansatzweise kritischen Situationen immer selbst und früh zu bremsen. Die Systeme (ACC und Notbremsassistent) sind meiner Meinung nach derzeit nicht zuverlässig.